Der Moment der viele Gastronomen aufgeweckt hat
2022 hat das Bundesarbeitsgericht entschieden: Arbeitgeber in Deutschland sind verpflichtet, die Arbeitszeiten ihrer Mitarbeiter systematisch zu erfassen. Nicht nur Überstunden — die gesamte Arbeitszeit, jeden Tag.
Seitdem ist das Thema Zeiterfassung in aller Munde. Gastronomen die jahrelang mit Stundenzetteln oder Excel-Tabellen gearbeitet haben, suchen plötzlich nach einer digitalen Lösung. App-Stores, Google, Empfehlungen aus dem Bekanntenkreis — der Markt für Zeiterfassungs-Apps boomt.
Das ist gut so. Aber dabei passiert etwas Interessantes — und ein bisschen Ironisches.
Was die meisten unter "Zeiterfassung" verstehen
Wenn Gastronomen nach einer Zeiterfassungs-App suchen, haben die meisten ein klares Bild im Kopf: Mitarbeiter kommen an, tippen auf ihrem Handy auf "Einstempeln". Schicht vorbei, tippen auf "Ausstempeln". App summiert die Stunden. Fertig.
Das klingt einfach und pragmatisch. Und ja — technisch erfüllt das die Anforderung. Stunden werden erfasst, der Chef hat eine Auswertung.
Aber wer tatsächlich so arbeitet, merkt schnell: da fehlt etwas.
Das Problem das vorher kommt
Bevor du Stunden erfassen kannst, musst du wissen wer überhaupt wann arbeitet. Das klingt selbstverständlich — ist es aber nicht.
Wenn dein Dienstplan per WhatsApp-Gruppe läuft, weiß oft niemand wirklich welche Version gilt. Wurde die Änderung von Dienstag schon berücksichtigt? Hat Lisa den Screenshot gesehen? Wer hat für Sonntag zugesagt?
Wenn du jetzt eine Zeiterfassungs-App dazuschaltest, erfasst du Stunden — aber du weißt nicht ob die Schicht überhaupt so geplant war. War Lisa heute für 8 Stunden eingeplant oder für 6? Hat sie früher aufgehört oder später angefangen als geplant?
Eine reine Zeiterfassungs-App löst das zweite Problem — aber das erste bleibt. Du digitalisierst die Stempeluhr, aber der Chaos-Dienstplan per WhatsApp bleibt.
Warum getrennte Tools doppelte Arbeit bedeuten
Manche Betriebe versuchen es mit zwei Tools: eine App für den Dienstplan, eine andere für die Zeiterfassung. Das klingt nach einer vollständigen Lösung — ist in der Praxis aber oft das Gegenteil.
Das eigentliche Problem mit zwei Tools: der Medienbruch. Du planst in App A, erfasst in App B — und irgendwo dazwischen gehen Informationen verloren oder müssen manuell übertragen werden. Genau das wolltest du doch eigentlich vermeiden.
Was passiert wenn Planung und Erfassung zusammenkommen
Wenn Schichtplanung und Zeiterfassung in einem System laufen, entsteht ein Ablauf der sich von selbst ergibt — ohne dass du nachdenken musst.
Kein Medienbruch, kein manueller Aufwand zwischen Planung und Erfassung. Die Schicht ist geplant — also ist der Kontext für die Zeiterfassung schon da.
Was du beim Vergleich von Zeiterfassungs-Apps beachten solltest
Wenn du eine Lösung für dein Gastro-Team suchst, lohnt es sich ein paar Fragen zu stellen bevor du dich entscheidest:
- ✓ Hat die App auch eine Schichtplanung — oder nur eine Stempeluhr?
- ✓ Werden geplante und tatsächliche Stunden automatisch verglichen?
- ✓ Kann ich Pausenregeln selbst konfigurieren?
- ✓ Werden Überstunden laufend berechnet und angezeigt?
- ✓ Gibt es einen Monatsexport für den Steuerberater?
- ✓ Läuft die App im Browser — ohne dass jeder Mitarbeiter etwas installieren muss?
- ✗ Zahle ich pro Mitarbeiter — oder gibt es eine Flatrate?
Der letzte Punkt ist besonders relevant in der Gastronomie: viele Anbieter rechnen pro Nutzer ab. Bei 10 Mitarbeitern wird das schnell teuer. Eine Flatrate ist für kleine Gastro-Teams fast immer günstiger.
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